Der philosophisch nicht widerlegbare Gottesbeweis.
Zu den Gästen am Stammtisch der Dorfwirtschaft setzte sich ein fremder Mann.
Er sei Atheist, erklärte er. Die Christen und vor allem ihre Pastoren,
Pfarrer und Prediger seien doch alles komische Käuze. Da reden sie von einem
Gott, der nicht beweisbar ist und merken nicht, wie extrem lächerlich sie
sich dabei machen. Dann grinste er breit und schaute uns alle der Reihe nach
herausfordernd an.
Ich fragte ihn : "Woher weisst Du, dass Gott nicht beweisbar sei ?"
"Ach, hör mal. Hast du keine Bildung ? Die Philosophen bewiesen klar und
unwiderlegbar, dass Gott nicht beweisbar ist. Ich kenne deren Argumente."
"Meinst du ? Du kannst also, deiner Ansicht nach, Gottesbeweise widerlegen ?"
"Natürlich. Ist doch klar. Ist auch keine Kunst.
Ich sagte je schon, dass ich Philosophie studiert habe."
"Nun, wenn dem so ist, dann bist du sicher bereit, dass ich dies kurz prüfe?
Ich nenne Dir jetzt einen Gottesbeweis. Nur einen einzigen.
Anschliessend widerlegst Du diesen. Wenn Du dies nicht kannst,
gibst Du dann deinen Atheismus auf?"
Der Fremde grinste. "Natürlich. Aber zuerst musst Du so einen Beweis nennen können.
Und das kannst du nicht. Aber trotz allem, lass hören.
Ich werde mich dabei sicher amüsieren."
"Also gut. Hör zu. Während ich hier sitze und mit Dir ein Bier trinke, liegt
Zuhause meine Frau krank im Bett und wartet auf mich. Sie ist sehr schwach,
kann sich kaum bewegen, kann beinahe nicht reden, nicht selber essen und
trinken und jede Berührung tut ihr weh. Die Krankenschwestern lehnt sie ab.
Diese sind ihr zu grob. Denn diese können das, was sie sagen möchte und
nicht sagen kann, nicht aus ihrem Gesichtsausdruck lesen. So pflege ich
meine Frau. Meine Frau ist sehr schön und ich liebe sie sehr. Jeden Tag
wasche ich sie im Bett von oben bis unten. Waschen. Ja. Aber nicht mehr.
Sanft waschen ist wichtig. Aber sonst tut ihr jede Berührung weh. Wenn Du
ein bisschen Phantasie hast und einigermassen normal veranlagt bist, kannst
Du Dir das sicher realistisch vorstellen."
Der Fremde hatte aufgehört zu grinsen.
"Die Ärzte, Sozialarbeiter und Psychiater, welche die Situation sahen,
sagten mir 'was Du da tust, haben wir noch nie gesehen. Warum kannst Du das
?'. Die Menschen im Dorf, die uns kennen, reagieren gleich. Siehst Du. Ohne
Gott, ohne Gebet geht das nicht. Und das wissen die Menschen hier im Dorf."
Der Fremde blickte fragend die anwesenden Gäste an. Diese nickten wortlos.
Darauf sagte er : "Zahlen". Stand auf und ging.
Vierzehn Tage später traf ich den Fremden in derselben Wirtschaft. Er sass
da, zusammengesunken vor seinem Bierglas und starrte es an. Er bemerkte
mich. "Ich weiss noch jedes Wort, das du gesagt hast. Deine Worte brennen
wie Feuer in mir. Du hast damals, ohne es zu wissen, mitten in's Schwarze
getroffen hast. Du hast recht. Was Du sagst, stimmt. Und nun muss ich dir
was erzählen. Mein Vater pflegte, wie du, seine kranke Frau. Sie war nicht
so krank wie Deine Frau, aber meine Mutter kann und konnte sich nicht mehr
selber anziehen und ist im Rollstuhl. Mein Vater sagte zu uns drei
Geschwistern : 'Versprecht mir, dass, wenn ich sterbe, ihr eure Mutter
weiter pflegt und eure Mutter nicht in eine Pflegeheim steckt'. Wir
versprachen das unserem Vater. Mehrmals. In aller Ernsthaftigkeit. Immer
wieder. - - - . Als unser Vater starb, vergingen 14 Tage. Danach war unsere
Mutter im Pflegeheim."
Nun schwieg er wieder. Und starrte sein Bierglas an.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen